Pippi in Frankreich

Der französische Verlag, der Pippi Langstrumpf 1951 herausgab, hatte das Buch heftig zensiert und das allzu Provozierende und Anarchistische gestrichen. Unter anderem wollte der französische Verlag kein Titelbild verwenden, auf dem Pippi ihr Pferd auf ausgestreckten Armen in die Luft hob.
Sie konnten sich höchstens ein Mädchen vorstellen, das ein Pony hochhob. "Die französischen Kinder haben Kriegserfahrungen gemacht, daher sind sie realistischer als schwedische Kinder", erklärte der Verleger. "Französische Kinder würden nie an ein Mädchen glauben, das so stark ist, dass es ein ausgewachsenes Pferd hochheben kann." "Ach so", erwiderte Astrid Lindgren. "Aber dann zeigen Sie mir doch bitte ein Mädchen, das in Wirklichkeit ein Pony mit gestreckten Armen in die Luft stemmt."
Kerstin Kvint (Astrid Lindgrens Agentin und Privatsekretärin, Anmerkung der Redaktion) beschreibt in ihrem Buch die Nonchalance der französischen Verlage. Das änderte sich erst, als eine schwedische Wissenschaftlerin, Christina Heldner, einen kritischen Aufsatz über die französische Pippi-Übersetzung präsentierte. Die französischen Kinder bekamen die "richtige" Pippi erst 1995 zu lesen.

Aus: "Astrid Lindgren - ein Lebensbild" von Margareta Strömstedt

 

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